Standardisierung im gewerblichen Kreditgeschäft

Hauptstelle Sparkasse Düren, Quelle: Sparkasse Düren

Standardisierung im gewerblichen Kreditgeschäft

Optimierte Arbeitsprozesse und geringere Fehlerquote: die gewerbliche Kapitaldienst­rechnung in OSPlus-Kredit

Automatisierte und transparente Bearbeitungsprozesse sind bei der Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit ein Garant für eine geringere Fehleranfälligkeit und eine schlüssige Kreditentscheidung. Die Finanz Informatik (FI) bietet mit dem gewerblichen Kapitaldienst in OSPlus-Kredit eine Lösung für das gewerbliche Kundensegment an, die genau das bietet. Doch bislang setzt nur circa ein Drittel der Sparkassen die Anwendung ein. Experten weisen mit Nachdruck auf den Handlungsbedarf hin:

„Der Einsatz des gewerblichen Kapitaldienstes in OSPlus-Kredit wird strategisch immer wichtiger. Insbesondere um die erhöhten regulatorischen Anforderungen wie zum Beispiel die Finanzstabilitätsdatenerhebungsverordnung, die EBA Guidelines oder die MaRisk effizient und gesetzeskonform umzusetzen“, sagt Nina Wener, Senior Consultant bei der FORT.SCHRITT GmbH und externe Mitarbeiterin bei der FI.

Als eines der ersten Häuser führte die Sparkasse Düren bereits vor fünf Jahren* die Anwendung ein und ist damit auf die bevorstehenden Regulierungen gut vorbereitet. Sie erklärt, warum sie sich bereits damals für die Umstellung entschieden hat und wie der Einsatz in der Praxis gelingt.

Eigenanwendungen unzureichend und fehleranfällig

Die Verwendung von meist Excel-basierten Eigenlösungen ist bei der gewerblichen Kapitaldienstrechnung in Sparkassen weit verbreitet, obwohl damit weitreichende Nachteile einhergehen. Harald Bärenz, Leiter Kreditanalyse bei der Sparkasse Düren, kennt die daraus resultierenden Probleme und erklärt: „Bei der Arbeit mit den Tabellen kommt es zu Medienbrüchen, da eine Verknüpfung mit anderen Prozessen und Instrumenten nicht möglich ist. Datensätze müssen daher oftmals doppelt erfasst werden.“ Durch die manuelle Eingabe von Daten in die Tabellen können zudem Übertragungsfehler und Abweichungen im Bearbeitungsprozess entstehen. Bärenz weiter: „Wir haben uns früh für die standardisierte Lösung entschieden, da wir so alle Arbeitsschritte zentral in einem Vorgang und ohne Medienbrüche durchführen können.“

Vorteile der gewerblichen Kapitaldienstrechnung in OSPlus-Kredit

Die Anwendung bietet Sparkassen vielseitige Funktionen für die Kapitaldienstrechnung inklusive einer Verlaufsbetrachtung und Analyse der wirtschaftlichen Unterlagen. Für tiefergehende Analysen lässt sich die EBIL-Anwendung des Deutschen Sparkassenverlags ergänzend einbinden. Im Vergleich zu Eigenanwendungen sind unter anderem folgende Vorteile zu nennen:

    • Automatisiert und ohne Medienbrüche lässt sich die Kreditwürdigkeitsprüfung effizienter durchführen.
    • Die vereinfachte Kapitaldienstrechnung in OSPlus-Kredit lässt sich in wenigen Minuten erfassen.
    • Schnelle Abwicklung durch fallabschließende Bearbeitung im Markt.
    • Transparenter Bearbeitungsstand und jederzeitige Abfragemöglichkeit der erfassten Daten. (Abhängig von Administration und Eingabe)
    • Einmal erfasste Daten sind für Folgeanträge sowie für weitere Anwendungen verfügbar, z.B. für das Firmenkundenportal.
    • Stetige Weiterentwicklung, besonders auch unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen.

Darüber hinaus ist die gemeinsame Nutzung der Anwendung durch Kundenberater und Kreditanalysten hervorzuheben. Mittels klarer Aufgabenverteilung sowie transparenter Vorgaben im Umgang mit der gewerblichen Kapitaldienstrechnung, erhöht sich die Effizienz im Bearbeitungsprozess wesentlich. So führt der Kundenberater beispielsweise mit geringerem Erfassungsaufwand eine vereinfachte Analyse und Kapitaldienstrechnung in OSPlus-Kredit durch. Für eine detailliertere Prüfung der wirtschaftlichen Angaben erfasst der Kreditanalyst diese in EBIL und überträgt sie anschließend nach OSPlus zur Erstellung des gewerblichen Kapitaldienstes.

Herausforderungen in der Praxis

Für einen reibungslosen Übergang bei der Einführung der Anwendung sollten Sparkassen ihre Mitarbeiter frühzeitig in das Projekt miteinbeziehen. So kann unter anderem die Bildung von Arbeitsteams die Akzeptanz der Mitarbeiter erhöhen. Empfehlenswert sind zudem ausführliche Anwendungsleitfäden in Ergänzung zu aussagekräftigen Arbeitsanweisungen. Diese Maßnahmen binden in den Häusern jedoch viele Ressourcen. Peter Weidenfeld, Leiter der Abteilung Gewerbekunden bei der Sparkasse Düren, empfiehlt deshalb zusätzliche Unterstützung von „außen“ in Betracht zu ziehen: „Externe Spezialisten verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in diesem Bereich. Sie wissen genau, wo die Stolpersteine bei der Nutzung mit OSPlus liegen und können Abteilungen durch ihre Expertise sehr gut unterstützen.“ Die Beratungsleistung kommt den Sparkassen auch zu einem späteren Zeitpunkt noch zugute. Denn neue Module, veränderte Darstellungsweisen oder komplexe Fälle stellen manchmal selbst geübte Anwender vor neue Herausforderungen.

Die Sparkasse Düren entschied sich deshalb – nachdem die Software bereits einige Jahre im Einsatz war – für eine weitere Schulung ihrer Kundenberater „Unser Ziel war es, sowohl das Fachwissen als auch das technische, anwendungsbezogene Know-how unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vertiefen und auszubauen. Gerade für unsere neuen Kolleginnen und Kollegen der Gewerbekundenabteilung war eine Praxis-Schulung hilfreich. Dafür haben wir auf Empfehlung hin auf die Spezialisten der FORT.SCHRITT GmbH zurückgegriffen“, so Weidenfeld.

Optimierungspotenzial erkennen

Ein Berater-Team von FORT.SCHRITT unterstützte die Sparkasse Düren an mehreren Tagen vor Ort. Um die Anforderungen der Sparkasse exakt zu erfassen, führte das Team im ersten Schritt eine IST-Analyse durch. „Zu Beginn war es wertvoll, gemeinsam mit Organisation, Leiter Kreditanalyse, Kreditanalyst, Leiter Gewerbekunden und Direktor Firmenkundengeschäft an einem Tisch zu sitzen und Informationen einzuholen. Die verschiedenen Blickwinkel halfen dabei zu klären, wie die Mitarbeiter mit der Software arbeiteten, welche Vorgaben sie dabei beachten mussten und wo es Schwierigkeiten gab“, erklärt Wener. Dafür sichtete FORT.SCHRITT auch die vorhandenen Arbeitsanweisungen und Administration. Ergänzungen und Tipps wurden direkt in das bestehende Anweisungswesen sowie in die Leitfäden eingearbeitet.

Praxisverständnis in Schulungen vertiefen

Im Anschluss an die IST-Analyse startete FORT.SCHRITT interaktive Schulungen für die Mitarbeiter der Sparkasse. „Gemeinsam haben wir reale Praxisfälle mit unterschiedlichsten Fallkonstellationen bearbeitet. Anhand der neuen Leitfäden haben wir uns Schritt für Schritt durch die Anwendung geklickt und die Fallbeispiele ausführlich diskutiert. Die Teilnehmer konnten sich außerdem intensiv über ihre Erfahrungen mit der Anwendung austauschen und ihr Wissen auch untereinander weitergeben“, berichtet Wener. Heute arbeiten die Kundenberater der Sparkasse Düren sicherer und schneller mit dem Baustein für gewerbliche Kredite. „Die automatisierten Prozesse ermöglichen uns eine effizientere Bearbeitung von gewerblichen Kapitaldienstberechnungen“, sagt Bärenz.

Nachhaltig gut aufgestellt

Der ständige Wissenstransfer unter den Mitarbeitern ist in der Sparkasse Düren heute noch ein entscheidender Schlüssel für den optimalen Einsatz der Anwendung. „Die Offenheit für Fragestellungen ist in Folge der Schulung nachhaltig in den Teams gestiegen. Wir tauschen uns regelmäßig aus und arbeiten fortlaufend an den Leitfäden und Arbeitsanweisungen. So bleiben alle im Team immer auf einem einheitlich hohen und aktuellen Wissensstand“, sagt Weidenfeld. Für die anstehenden Regulierungen im Meldewesen ist die Sparkasse Düren mit der standardisierten Lösung gut aufgestellt. Für zukünftige Projekte hält sie sich die Experten der FORT.SCHRITT GmbH als Joker in der Hinterhand.

*Die Informationen aus dem Text sind auf Stand 4/2021.

FORT.SCHRITT GmbH
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Raus aus der sicheren Komfortzone

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Raus aus der Komfortzone

So gehen Finanzinstitute die Online-Beratung strategisch an

Viele Finanzinstitute verfolgen zwar schon seit Jahren das Ziel, ihre Online- und Mobile-Beratung auszubauen, doch mangelt es vielerorts an Strukturen und einer geordneten Herangehensweise. Wollen sie ihren (potenziellen) Kunden eine qualifizierte Online-Beratung ermöglichen und wettbewerbsfähig bleiben, müssen Institute ihre IT-Prozesse und -Strukturen dringend überarbeiten beziehungsweise neu ausrichten. Nur so wappnen sie sich gegen die digitale Konkurrenz durch reine Online-Banken. 

Online-Beratung in Banken und Sparkassen strategisch aufsetzen – das Thema könnte längst ein „alter Hut“ sein, ist es aber noch lange nicht. Denn auch wenn laut Studie des Bankenverbands aus dem Jahr 2021 jeder Zweite seine Bankfiliale seltener als einmal im Monat besucht, gibt es bei Online-Beratungsangeboten und -Abschlüssen noch deutlich Luft nach oben: Laut Studie von YouGoV Profiles nutzen Kunden das Online-Angebot ihrer Bank vor allem, um ihren Kontostand zu prüfen (80 %) und Überweisungen zu tätigen (82 %). Gleichzeitig gibt lediglich jeweils nur ein Prozent der Befragten an, bereits online eine Baufinanzierung beantragt oder einen Bausparvertrag abgeschlossen zu haben. Gerade einmal je sieben Prozent haben online bisher ein Wertpapierdepot oder ein Girokonto eröffnet. Das Problem: Es gibt in den seltensten Fällen qualifizierte Onlineberatungsangebote und die Möglichkeit, Beratung und Abschluss durchgängig digital durchzuführen. So stellte kürzlich auch Stiftung Warentest im Praxis-Check zu nachhaltigen Fonds fest, dass keine der getesteten Banken dazu eine Online-Beratung anbietet.

Filial- und Online-Beratung verbinden

Banken muss der Spagat zwischen persönlichen, vertrauensschaffenden Gesprächen und digitalen Angeboten gelingen. Das heißt konkret: Die Institute müssen die Kunden genau da abholen, wo sie stehen – ob klassische Vor-Ort-Beratung in der Filiale oder eben per Online-Beratung. Dafür müssen sie ihre Zielgruppe analysieren und gewichten. Entsprechend ihrer Kundenstruktur sollten Banken ihr Angebot für Online-Beratung anpassen und sich hierbei flexibel aufstellen. Das heißt, ein Filialberater muss auch dazu befähigt sein, einen Kunden zu beraten, der beispielsweise zu Hause vor dem Rechner sitzt.

Online-Beratung systematisch aufsetzen

Damit Banken das Thema strukturiert angehen können und den Überblick über ihre Digitalisierungslösungen behalten, müssen sie zunächst einen Schritt zurückgehen und den Status Quo im eigenen Haus anhand unterschiedlicher Handlungsfelder ermitteln. Auf dieser Grundlage können sie das eigene Angebot strategisch und systematisch verbessern, den Kunden einen barrierefreien Zugang zur Online-Beratung bieten und qualifizierte Abschlüsse erzielen.

Doch wie läuft eigentlich der optimale Prozess in der Online-Beratung ab? Gehen wir von folgendem Szenario aus: Ein Kunde informiert sich über Wertpapiere und Fonds. Hierzu recherchiert er auf der Website seiner Hausbank, wo ihm die Kontaktaufnahme zum Kunden-Service per Telefon oder optimalerweise per Video-Beratung angeboten wird. Alternativ kann der Kunde auch einen Rückrufwunsch hinterlegen oder einen Termin zu einem für ihn passenden Zeitpunkt vereinbaren. Der Kunde entscheidet sich für einen Gesprächstermin am späteren Nachmittag, der per Video inklusive Screen-Sharing medienbruchfrei stattfindet. Der Abschluss mitsamt Autorisierung erfolgt per Sprachaufzeichnung und / oder digitaler Unterschrift. Die einzelnen Prozessschritte sollten dem Kunden also flexible Möglichkeiten bieten, damit dieser eine qualifizierte Online-Beratung barrierefrei in Anspruch nehmen kann.

Handlungsfelder analysieren, mögliche Maßnahmen ableiten

Um Finanzinstituten möglichen Optimierungsbedarf für die Online-Beratung aufzuzeigen und dabei strukturiert vorzugehen, hat die FORT.SCHRITT GmbH einen „Quick Check“ entwickelt. In dessen Rahmen analysiert das Unternehmen anhand von sechs Handlungsfeldern den individuellen Status Quo. Daraus leiten die Berater ab, in welchen dieser Bereiche ein Institut Optimierungspotenzial hat, um die Online-Beratung systematischer und kundenfreundlicher zu gestalten. Die nachfolgenden Handlungsempfehlungen gelten als Beispiele für mögliche Maßnahmen, die sich aus dem Quick Check ergeben:

    1. Organisation: Da Finanzinstitute ihre Online-Beratungsangebote häufig als Einzellösung integriert haben, sollten diese Prozesse im ersten Schritt mit den weiteren, bereits vorhandenen, Vertriebsbereichen verzahnt werden. Nur so gelingt eine inkludierte und barrierefreie Online-Beratung. Dabei müssen gegebenenfalls auch Mitarbeiterrollen neu beziehungsweise klarer definiert und Berechtigungen und Kompetenzen festgelegt werden.
    2. Rechtliches: Die Institute müssen bei der Online-Beratung verschiedene rechtliche Aspekte berücksichtigen, um die Gesetzesansprüche, beispielsweise in puncto Datenschutz, zu erfüllen. Dabei gilt es unter anderem zu klären, welche Datenschutzrichtlinien beachtet werden müssen. Eine schriftliche Vereinbarung, in der der Mitarbeiter zustimmt, dass sein Foto beispielsweise auf der Homepage sichtbar ist, ist ebenso zu berücksichtigen wie eine Einwilligung zu einer Sprachaufzeichnung seitens der Mitarbeiter und Kunden.
    3. Technik: Für eine störungs- und barrierefreie Online-Beratung ist neben einer ansprechenden Gestaltung der Homepage eine funktionierende Hardware notwendig. Wenn noch nicht vorhanden sollten die Institute auch Anwendungen wie Screen-Sharing und Beratungs- sowie Kommunikations-Tools in Betracht ziehen.
    4. Prozesse: Die Institute müssen die vorhandenen Arbeitsabläufe überprüfen und, wenn nötig, optimieren und anpassen. Diese sollten nach den Gegebenheiten der Online-Beratung ausgerichtet sein. Daneben gilt es, unterstützende Beratungstools zu verbessern beziehungsweise zu entwickeln und Vertragsabschlüsse papierlos zu ermöglichen.
    5. Mitarbeiter: Die Mitarbeiter, die den digitalen Vertrieb mitgestalten, müssen dazu befähigt sein, den Online-Vertrieb in ihren Berateralltag in der Filiale einzubinden. Workshops und Schulungen helfen dabei, entsprechende Kompetenzen aufzubauen. Zudem müssen sie im Online-Beratungsgespräch einige wichtige Kriterien der Gesprächsführung beachten.
    6. Kunden: Die Institute müssen auswählen, welche Kunden überhaupt für die Online-Beratung infrage kommen, um zielgerichtet an (potenzielle) Interessenten heranzutreten.

Mit Struktur im Wettbewerb mithalten

Wollen Finanzinstitute wettbewerbsfähig bleiben und nicht reinen Online-Banken den Markt überlassen, müssen sie dringend handeln und ihre angebotene Online-Beratung optimieren. Das erreichen sie, indem sie sich zunächst ihres Status Quo bewusstwerden und darauf basierend individuelle Handlungsfelder für mögliches Optimierungspotenzial definieren – und das konsequent am Kundennutzen orientiert. Damit steigern sie nicht nur die Bindung zum Kunden, sondern auch das Ertragspotenzial.

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Die Bausparkasse von morgen

Quelle: Bausparkasse Schwäbisch-Hall

Die Bausparkasse von morgen

Vertriebswege, Leistungsangebot und Image neu denken

Für viele Kunden ist der Abschluss eines neuen Bausparvertrags nur noch bedingt rentabel. Es stellt sich daher die Frage, wie Bausparkassen ihr Geschäftsmodell und ihre Produkte zukünftig attraktiver gestalten können, um langfristig am Markt zu bestehen.

Niedrigzins, neue Player am Markt sowie die weiterhin steigenden Immobilienpreise und Kosten für Material und Handwerk erschweren es den Instituten, Bausparen gewinnbringend zu vermarkten. Als reines Sparprodukt ist Bausparen heute allein schon wegen der niedrigen Sparzinsen und hohen Abschlusskosten uninteressant. Daran ändert auch die Erhöhung der Wohnungsbauprämie zu Beginn des Jahres nur wenig. Obwohl Bausparkassen neben dem klassischen Bausparen interessante Finanzierungsansätze in ihrem Portfolio haben, gelingt es ihnen bislang nicht, diese überzeugend bei den Zielgruppen zu positionieren. Image, Kommunikationsbotschaften und Vertriebswege spielen dabei eine entscheidende Rolle – es ist Zeit, dass Bausparkassen ihre Strategie auf den Prüfstand stellen und sich trauen, neue Wege zu gehen.

Ladenhüter „Bausparen“?

Bausparverträge in Verbindung mit einer Finanzierung sind aus Kundensicht erklärungsbedürftige Produkte, bei denen die Vorteile nicht auf Anhieb erkennbar sind. Zudem ist der Produktabschluss aufwendig und verhältnismäßig teuer. Kunden wünschen sich heute aber einfache und transparente Lösungen, die leicht verständlich und vor allem schnell online abschließbar sind.

Diese Anforderungen erfüllen die meisten Institute bislang nur unzureichend. Die eingeschränkte Nähe zum Kunden durch die Corona-Pandemie 2020/2021 sowie das mangelnde Online-Angebot vieler Anbieter erschwerten es den Bausparkassen zusätzlich, Abschlüsse zu erzielen.

Erwartungshaltung der jüngeren Generation berücksichtigen

Bausparen verliert vor allem bei der jüngeren Zielgruppe an Bedeutung. Der Traum von den eigenen vier Wänden ist zwar auch bei den unter 25-Jährigen noch vorhanden, doch aufgrund der Online-Angebote von Neo-Banken oder anderen FinTechs wie beispielsweise Trading-Apps ist das Finanzinstrument „Bausparen“ in dieser Generation lange nicht so präsent wie bei den Eltern in früheren Zeiten. Bausparkassen müssen die Erwartungshaltung sowie die digitalen Touchpoints junger Menschen zukünftig stärker berücksichtigen, um das Potenzial in dieser Zielgruppe vollständig auszuschöpfen. 

Leistungsangebot und Zielgruppen schärfen

Weg vom klassischen Bausparprodukt hin zu individuellen Lösungsangeboten, die vollständig in das Leben des Kunden integrierbar sind. So könnte die Angebotsstrategie von Bausparkassen zukünftig aussehen. Damit das gelingt, müssen diese nicht nur Produktabschlüsse vereinfachen und vergünstigen, sondern auch Zielgruppen und Online-Angebote anpassen und weiterentwickeln.

Kunden mit Immobilie(n) könnten zukünftig von proaktiven Beratungsleistungen in Belangen rund um ihre Immobilien profitieren. Denkbar ist dieses Angebot per App oder über einen nutzerfreundlichen Onlinebereich. In einem „digitalen Zuhause“ stellen Bausparkassen ihren Kunden individuelle Informationen zusammen, wie: Wann steht die nächste Renovierung bzw. Sanierung an? Was muss dabei beachtet werden und welche Subventionen stehen zur Verfügung? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für das Projekt und ab wann sollte vorgespart werden? Auch Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Handwerkern und Fachexperten wäre denkbar.

Kunden ohne Immobilie und ohne Immobilienwunsch könnten zukünftig verstärkt von „alternativen“ Bausparangeboten profitieren. So könnten Bausparkassen innerhalb dieser Zielgruppe beispielsweiße stärker auf Modernisierungsdarlehen setzen. Denn auch bei Mietern steigt die Bereitschaft, das eigene Zuhause nachhaltig zu modernisieren (von barrierefreiem Wohnen über Energieeffizienz bis hin zu Smart-Home-Technologien).

Kommunikationsbotschaften anpassen

Um ihr Portfolio auszuschöpfen, sollten die Institute ihr Image als umfassender Finanzberater für Mieter und Immobilienbesitzer ausbauen. Dafür ist eine zielgruppengerechtere Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Nur so treffen die Institute die Bedürfnisse potenzieller Kunden, schaffen Transparenz und Vertrauen. Aktuelle gesellschaftsrelevante Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung geben den Bausparkassen neue Argumentationsgrundlagen für ihre Produkte an die Hand. Bislang werben die Institute zwar mit nachhaltigem Wirtschaften (Stichwort „Energieeffizientes Sanieren“), aber zum Beispiel nicht damit, dass Eigenheimbesitzer ihren CO2-Austoss mit neuen Heizungen, Fenstern usw. reduzieren und damit einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten können.

Vertriebswege neu denken

Ob Leistungsangebot, Kommunikationsbotschaften oder zielgruppengerechte Ansprache: Alle Lösungsansätze sind nur durch eine stärkere Digitalisierung von Prozessen und Produkten umzusetzen. Deshalb sollten auch Bausparkassen eine engere Verzahnung mit Partnern aus der Finanzbranche und deren Online-Angeboten in Betracht ziehen. Kooperationen mit Start-ups haben das Potenzial weitere Vertriebswege und Cross-Selling-Optionen zu schaffen. Der Vorteil: Fintechs sind mit ihren digitalen Angeboten bereits nah am Kunden und wissen, welche Produkte und Kommunikationsbotschaften funktionieren.

Einen neuen Vertriebsweg könnte Bausparen als integriertes Sparprodukt in einer Banking-App bilden. Ein Beispiel: In der App gibt der Nutzer seine Sparziele und Wünsche ein, woraufhin er passende Finanzierungsmöglichkeiten wie Bausparen erhält. Durch die Verzahnung mit den alltäglichen Ein- und Ausgaben wird „Sparen“ bei den Kunden greifbarer und einfacher. So kann der Nutzer bei jedem Online-Einkauf den Betrag aufrunden, wobei die Differenz in den Bausparvertrag fließt. Für die Realisierung solcher Projekte bietet sich die Zusammenarbeit mit mobilen Bezahlungs-Apps wie Kwitt oder PayPal an. Auch „Gamification“-Ansätze oder eventbasiertes „(wenn-dann) Sparen“ sind in diesem Zuge denkbar.

Eine weitere Option bieten einschlägige Kreditvermittlungsplattformen oder Vergleichsplattformen. Hier können Bausparkassen ihre Produkte gleichzeitig breit und zielgerichtet streuen. Denkbar sind darüber hinaus Kooperationen mit Innovation Hubs. Auf diese Weise könnten Bausparkassen eigene Vorstellungen in neue Vertriebsprozesse und Produktangebote miteinbringen.

Potenzial ergreifen

Welche Lösungsansätze die Bausparkassen zukünftig verfolgen werden, bleibt mit Spannung abzuwarten. Auch wenn einige der genannten Möglichkeiten mittelfristig sehr hoch gegriffen wirken, so ist dieser ehrgeizige Ansatz dennoch der richtige: Bausparkassen müssen „neu denken“, um die Anforderungen und Bedürfnisse (potenzieller) Kunden auch zukünftig erfolgreich erfüllen zu können.

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